Technik
Meldung vom 23.01.2012

Under Water Surround auf der boot 2012

Ambient Recording und H2eau demonstrieren auf der Wassersportmesse innovative Aufnahmetechniken, die erstmals Surround-Aufnahmen trotz der schwierigen akustischen Laufzeitbedingungen im Wasser ermöglichen. Am 28. 1. gibt es zudem eine Aquaphonie Performance in der Münster Therme Düsseldorf.


Das Sonar-System besteht aus Hydrophonen mit extremem Dynamik-Headroom, Kugelflächen zur Erzeugung einer Richtwirkung und einem tiefentauglichen Recorder

Mikrofone kommen auf einer Wassersportmesse üblicherweise nur auf den diversen Aktions- und Vortragsbühnen vor – während der boot 2012 (Halle 3, Stand E55) ist derzeit aber auch ein aufsehenerregendes Surround-Mikrofon-Set für Unterwasseraufnahmen zu sehen.

Unterwasseraufnahmen schöpfen ihre Faszination bisher ausschließlich aus den optischen Reizen der nach wie vor weitgehend noch unbekannten Welt unterhalb des Wasserspiegels. Daran, dass die akustische Seite bisher in erster Linie aus Blubbergeräuschen und spaceig untermalter Musik besteht, hat man sich gewöhnt. Nicht zufrieden gaben sich damit aber bereits vor etlichen Jahren Timo Klinge und das Team von Ambient Recording, die das Sonar-Projekt betreuen und dessen aktuellen Stand auf der boot ausstellen.

Problem Nr. 1, das es zu lösen galt, war die Suche nach geeigneten Mikrofonen für den Unterwasserbetrieb. Hier gibt es bereits passende Hydrophone, die auch für wissenschaftliche oder militärische Zwecke eingesetzt werden, und Ambient Recording kann daher nun eine kleine Palette erprobter Modelle anbieten. Das Topmodell dabei ist mit einem unglaublichen Frequenzgang von 5 Hz bis 120 kHz und einem Signal/Rausch-Abstand in der Größenordnung von 170 dB derart leistungsfähig, dass es laut Timo Klinge sogar unter das Kriegsmittelkontrollgesetz (!) fällt. Mit diesem Modell sind auch die extremsten Unterwassergeräusche zu verfolgen, immerhin berichtet das Team von rund 1000 Fischarten, die akustisch miteinander kommunizieren! Die Vielfalt reicht dabei von knurrenden Drohgeräuschen bis zum regenartigen Knacken kleiner Blasen, die bestimmte Krabben mit ihren Scheren zur Betäubung ihrer Nahrung erzeugen.

Surround trotz Lauzeitproblemen

Ein zweites Problem betrifft die akustische Ortung, die unter Wasser kaum möglich ist: die Schallgeschwindigkeit im Wasser ist nicht nur von Faktoren wie der Wassertemperatur oder dem Salzgehalt abhängig, sondern vor allen Dingen so hoch, dass das Gehör hier keine Laufzeitunterschiede auswerten kann. Von Kampftauchern wird beispielsweise berichtet, dass sie mit viel Training irgendwie versuchen, eine gewisse Ortung aus den Frequenzen oberhalb von 12 kHz abzuleiten. Dementsprechend sind auch keine einfache Stereoaufnahme oder gar ein Surround-Abbild möglich. Es gab zwar bereits Versuche in diese Richtung, aber beispielsweise ist es nicht besonders praktikabel, zwei Mikrofone in vielen Metern Abstand von zwei Booten abzuhängen. Das Militär arbeitet mit riesigen Arrays und unzähligen darauf montierten Mikrofonen, um sehr genaue akustische Winkelinformationen zu erhalten – auch dies für den engagierten Toningenieur keine realistische Alternative, sowohl was die Handlichkeit angeht, als auch sein Budget.

Timo Klinge hat daher ein Kugelflächenverfahren aus der Studiotechnik adaptiert und kombiniert die Hydrophone mit Kunststoffkörpern, die den Mikrofonen zu einer Richtwirkung verhelfen. Form und verwendetes Material erlauben eine Tauchtiefe bis zu 1000 Metern, verschiedene Kugeldurchmesser erweitern die Richtwirkung zu den tiefen Frequenzen hin. Die Kugeln sind selbst vom germanischen Lloyd zertifiziert, wie auch das gesamte Systemzubehör einen äußerst seriösen Eindruck macht.

Als letztes Problem blieb die Anschlusstechnik; die nötigen seewasserfesten Mikrofonkabel sind kaum sinnvoll zu einem Begleitschiff zu führen, schon gar nicht im Surround-Betrieb. Es wurde daher noch ein passendes Unterwassergehäuse entwickelt: In dem SD-UW können professionelle Recorder der 7er-Serie von Sound Devices betrieben werden. Die wichtigsten Bedienelemente sind nach außen geführt und können vom Taucher genutzt werden, er hat Sicht auf die Anzeigen des Recorders und neben den wasserdichten Anschlüssen für die Mikrofone ist auch noch die Verbindung zu einer externen Stromquelle vorgesehen.

Auf der Messe in Düsseldorf konnte das Team bereits eindrucksvolle Aufnahmen in Surround vorführen, und man ist erstaunt was für eine Vielfalt an Tönen sich in der Meerestiefe einfangen lässt. Weitere internationale „Klang-Expeditionen“ unter Wasser sind für 2012 bereits geplant.

Aquaphonie Performance am 28. Januar 2012

Darüber hinaus bieten sich die Mikrofone für den musikalisch-kreativen Einsatz an: das Projekt H2eau (http://www.h2eau.de/) liefert am Messestand nicht nur kurze Live-Demonstrationen, sondern bestreitet am 28. 1. 2012 auch in der Düsseldorfer Münster Therme eine „Aquaphonie Performance“ mit live im Wasser erzeugten Sounds und Grooves. Dazu werden Hydrophone nicht nur in Wasserschalen, sondern auch im Schwimmbecken installiert.

www.www.ambient.de

www.H2eau.de

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