Von Tribüne über Einbahnstraßen bis hin zu selbstreinigenden Türklinken und berührungslosen WCs: Münchner Architekturbüro CSMM zeigt am eigenen Beispiel die Möglichkeiten und Herausforderungen eines Post-Corona-Büros

Zwischen Home und Office – Die Bürorevolution ist durch Corona in vollem Gange

Obgleich die Covid-19-Fallzahlen wieder stark steigen, der Teil-Lockdown das Arbeiten von Zuhause nahelegt und große Konzerne wie Alphabet die Homeoffice-Zeit bis 2021 verlängert haben: Viele Firmen arbeiten weiterhin an sicheren und innovativen Rückkehroptionen ins Büro.

(Bild: Christian_Krinninger)

Diese sollten jedoch mehr als Hygienekonzepte beinhalten. Ebenso wichtig sind technische Neuerungen, die weitere Digitalisierung und Strategien, wie Mitarbeiter während der Bürozeiten künftig besser interagieren und sich trotz Phasen der Abwesenheit mit dem Arbeitgeber identifizieren können. Das Münchner Beratungs- und Architekturunternehmen CSMM hat beobachtet, dass die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland ein halbes Jahr nach dem Beginn der Pandemie keine klare Vorstellung hat, wie die künftige neue Normalität im Office-Alltag aussehen kann. Sie reagieren entsprechend auch jetzt vor allem auf gesetzliche Maßnahmen, Vorgaben und Restriktionen, anstatt die Pandemie zu nutzen, um die Arbeitswelt grundsätzlich neu zu denken. „In der Folge sind sie künftigen Lockdown- oder Krisensituationen immer wieder vergleichsweise hilflos ausgeliefert“, warnt Timo Brehme, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von CSMM. Wie es besser geht? Das Münchner Beratungs- und Architekturunternehmen zeigt mit seinem eigenen Büro ein Modell als Blaupause für alle Unternehmen. Der Architektur liegt die Voraussicht zugrunde, dass Büroarbeit in Zukunft noch agiler, kreativer und kommunikativer werden wird.

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Timo Brehme, Dipl.-Ing. Architektur, CSMM (Bild: Wolf Heider-Sawall)

Herausforderung: Konträre Mitarbeiterwünsche und Bedürfnisse

Viele Arbeitnehmer wünschten sich nach CSMM schon immer, dauerhaft flexibler zu arbeiten. Die Corona-Krise hat diesen Trend laut Timo Brehme noch verstärkt. Und tatsächlich sollen die meisten Arbeitgeber diesem Thema mittlerweile offen gegenüber stehen. Einer aktuellen Studie der AOK zufolge wollen 76,9 Prozent der Arbeitnehmer auch künftig ab und an von Zuhause arbeiten. Dabei wird gerne vergessen, dass essentielle Aspekte wie die informelle Kommunikation und die persönliche Interaktion zu Hause meist gänzlich wegbrechen. Doch wie sollen Unternehmen den zur Lösung dieses Konflikts unvermeidlichen Spagat zwischen Sicherheit, Flexibilität und persönlichem Austausch künftig bewältigen? „Bei aller Unabhängigkeit, die die Digitalisierung mit sich bringt, suchen Menschen weiterhin Stabilität und Nähe. Mitarbeitende werden das Büro künftig mehr als Begegnungs- und Kommunikationsfläche nutzen“, weiß Brehme. Auch für die Mitarbeiterbindung wird das Büro wichtiger denn je – wenn sie vor Ort sind. Auf die Herausforderungen des Digitalisierungsschubes folgt nun die Phase, in der auch Bürokonzepte revolutionär neu gedacht werden müssen.

Büro als Hub and Home (Bild: Eva Jünger)

Revolution: Mehr Flächen für Begegnungen – die seltener aber umso wichtiger werden

Die Gelegenheit, das Büro neu zu denken, ist jetzt günstig wie nie. „Schon vor rund 20 Jahren haben wir von non-territorialen Büros gesprochen, nun kann das entsprechende Fundament für diese Zukunft gelegt werden“, erklärt Brehme. Dabei wird die in den vergangenen Jahren begonnene Entwicklung vom Großraumbüro hin zum flexiblen Multi-Space als Möglichkeitsraum die Bürolandschaft künftig prägen. „Was darüber hinaus gefragt ist, ist die Förderung von Teamgeist und Innovationsfähigkeit. Unternehmen, die marktfähig bleiben wollen, benötigen dafür entsprechenden Raum.“

Konferenz Multispace (Bild: Christian Krinninger)

Einen solchen Möglichkeitsraum hat das Münchner Beratungs- und Architektur-Unternehmen unter Berücksichtigung eines strengen Sicherheits- und Hygienemaßnahmenplans modellhafte Wirklichkeit werden lassen. Im loftartigen Inneren des Büros im Münchner Werksviertel mit über vier Metern Deckenhöhe finden sich überall großzügige Sitzecken. Zudem gibt es eine Tribüne, die Funktionsbereiche trennt und zusätzliche Begegnungsorte schafft. Kommen Besucher, können sie die Meeting-Räume ansteuern, ohne durch das gesamte Büro gehen zu müssen. Das Ergebnis ist damit genau jener Knotenpunkt des Austausches, der Teamarbeit und der Innovationsprozesse, für den die CSMM zusammen mit dem Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung (ISF) den Begriff des „Hub & Home“ geprägt hat. Wobei „Home“ hier in bewusstem Gegensatz zum Homeoffice das gemeinschaftliche Büro als sinnstiftenden Ort der Identifikation mit dem Unternehmen meint. „Home is, where my office is“: Dieser Grundsatz wird nach Meinung von CSMM in der Post-Corona-Welt das Arbeiten in den hybriden Bürohäusern der Zukunft prägen. Zumindest dann, wenn Unternehmen die sich hierfür bietenden Chancen in der Krise nutzen.

CSMM Innovation Hub (Bild: Gleb Polovnykov)

Schöne neue Arbeits-Welt

„Mitarbeiter in einem gesunden Arbeitsumfeld sind der Schlüssel für eine gesunde Wirtschaft“, sagt Brehme. Und diesem Grundsatz folgend bietet das Büro der Zukunft nicht nur mehr Raum gerade für jeden einzelnen Mitarbeiter, sondern Flexibilität in räumlicher wie personeller Hinsicht. Stichwort „Wechselarbeitsplätze“. Während Mitarbeiter beispielsweise konzentrierte Schreibarbeiten an mehreren Tagen in der Woche im Homeoffice erledigen können, spielen sich Besprechungen und Kreativmeetings in großzügig gestalteten Teamräumen ab. Zusätzlich zu diesen Orten der Begegnung gibt es nach Vorstellung der Münchner auch Rückzugsräume für den Einzelnen. Dabei helfen flexible Raumtrenner und Einrichtung die die Möglichkeit des Social Distancing‘s sinnstiftend auffangen. Ergänzt wird dieser Trend zwischen Wechselarbeitsplätzen und Kommunikationsräumen durch die kluge Neuorganisation gemeinschaftlich genutzter Flächen etwa mit Wegweisern und Abstandsmarkierungen. Und auch im Unsichtbaren umfasst Münchens erstes Post-Corona-Office bei CSMM unzählige Besonderheiten, die in einem Kriterienkatalog festgelegt sind.

Konferenz virtuell (Bild: Eva Jünger)

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