Die Integrated Systems Europe 2026 in Barcelona hat erneut unter Beweis gestellt, dass sie der zentrale Treffpunkt der internationalen AV-Branche ist. Größer, lauter, thematisch breiter – so lässt sich der erste Eindruck zusammenfassen. Doch jenseits beeindruckender LED-Wände, dichter Besucherströme und wachsender Konferenzformate stellt sich eine entscheidende Frage: Wohin entwickelt sich die Branche tatsächlich?
https://youtu.be/aoAQ9C4WKzo
Gemeinsam mit Jens Schicke und Thomas Euring von hmpartner haben wir im AVcon-Pulse-Videocast einen differenzierten Blick auf die Messe geworfen. Beide waren mit einem 22-köpfigen Team vor Ort – ein klares Zeichen dafür, welchen Stellenwert die ISE inzwischen auch für strategische Planungsbüros hat.
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Qualität statt Helligkeitsrekorde
Im Bereich Bildtechnik zeigte sich eine interessante Verschiebung. Statt immer höherer Lumen- oder Auflösungszahlen rückt die qualitative Bilddarstellung stärker in den Fokus. Natürlich waren hochauflösende LED-Wände, transparente Displays und flexible Formfaktoren omnipräsent. Doch entscheidend ist weniger die reine Leistungsfähigkeit, sondern die Frage nach dem sinnvollen Einsatz. Kreative Displaylösungen, architektonische Integration und nachhaltige Technologien wie reife E-Ink-Anwendungen im Retail-Bereich deuten auf eine stärkere Kontextorientierung hin.
Plattformdenken und Manageability
Ein weiterer Trend ist die Plattformorientierung. Systeme werden zunehmend kompatibler, IT-Layer sind selbstverständlich integriert, USB-C und standardisierte Schnittstellen bilden die Grundlage für managebare Infrastrukturen. Die Annäherung von AV und IT ist längst Realität. Zentrales Management, Monitoring und hohe Verfügbarkeit orientieren sich stärker an IT-Prinzipien als früher.
Dennoch bleibt eine Herausforderung: Die Zusammenführung einzelner Technologien zu wirklich ganzheitlichen Lösungen ist auf einer Messe nur bedingt sichtbar. Viele Hersteller präsentieren leistungsfähige Einzelkomponenten – doch wie diese langfristig, energieeffizient und zukunftssicher zusammenspielen, bleibt häufig Interpretationssache.
KI: Erwartung und Realität
Künstliche Intelligenz war präsent – zumindest im Marketing. Kameratracking, algorithmische Bildauswertung oder automatisierte Konfigurationen wurden vielfach unter dem KI-Label geführt. Wirklich visionäre, tief integrierte KI-Anwendungen hingegen waren seltener zu finden. Die Diskussion zeigt: Die Branche steht an einem Punkt, an dem sie entscheiden muss, ob KI lediglich Feature-Erweiterung bleibt oder tatsächlich Nutzerbedürfnisse neu definiert.
Gerade mit Blick auf langfristige Projektzyklen – oft drei bis fünf Jahre von Planung bis Umsetzung – ist Zukunftsfähigkeit entscheidend. Planer benötigen heute belastbare Perspektiven für Technologien, die morgen erst marktreif werden.
Systemrelevanz von Medientechnik
Ein zentrales Thema des Gesprächs war die wachsende Systemrelevanz von Medientechnik. Hybride Kommunikation ist kein Zusatzfeature mehr, sondern Geschäftsgrundlage. Fällt die Technik aus, steht Kommunikation still. Daraus ergibt sich ein höherer Anspruch an Qualität, Redundanz, physikalische Rahmenbedingungen wie Raumakustik sowie an die Integration in IT-Strukturen.
Gleichzeitig zeigt sich, dass einfache „Out-of-the-Box“-Versprechen der Komplexität realer Projekte oft nicht gerecht werden. Professionelle Planung bleibt unverzichtbar, um physikalische Gegebenheiten, architektonische Anforderungen und Nutzerbedürfnisse in Einklang zu bringen.
Fazit
Die ISE 2026 war inspirierend, international und organisatorisch auf hohem Niveau. Barcelona bietet der Branche eine attraktive Plattform mit wachsender thematischer Tiefe. Zugleich macht die Messe deutlich, dass die AV-Industrie sich stärker an ganzheitlichen Lösungsansätzen, echter Zukunftsvision und konsequenter Nutzerorientierung messen lassen muss.
Die Richtung stimmt. Jetzt geht es darum, Innovation nicht nur sichtbar, sondern systemisch wirksam zu machen.