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ITB MICE Night 2026: Gregor Gysi im Gespräch mit der MICE-Branche

Die ITB MICE Night brachte am ersten Messeabend der ITB Berlin erneut führende Köpfe der Veranstaltungsbranche zusammen, diesmal in der Kleinen Nachtrevue in Berlin-Schöneberg, einer Institution des Berliner Nachtlebens seit den späten 1950er Jahren und mit Currywurst und sensationellen Pommes aus dem Foodtruck vom Berliner Eventservice.

Bernd Fritzges (links), Präsident des VDVO, im Gespräch mit Dr. Gregor Gysi MdB (Bild: rütermedia.de, Joschka Meier)

Höhepunkt des Abends war der „Späti-Talk“ mit Gregor Gysi. Der Bundestagsabgeordnete und Alterspräsident des Deutschen Bundestages sprach mit Bernd Fritzges, Präsident des VDVO und Gründer von MICE DESK, über Bürokratie, die Belastung der Dienstleistungsbranche und die Frage, warum politische Ideen in Deutschland so lange brauchen, um Realität zu werden.

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„Die Currywurst geht schnell – deshalb muss man zum Punkt kommen“

Gysi erklärte gleich zu Beginn, was Gespräche an der Imbissbude von denen im Bundestag unterscheidet: „Die Currywurst geht schnell. Deshalb kann man nicht viel Vorgequatsche machen und nicht viel Nachgequatsche. Man muss gleich zum Punkt kommen. Das ist ein großer Vorteil, wenn ich das mit dem Bundestag vergleiche.“

Wertschöpfungsabgabe: 30 Jahre Debatte ohne Umsetzung

Im Zentrum des Gesprächs stand die Frage nach der Wertschöpfungsabgabe, einer Idee, die Gysi seit Jahrzehnten vertritt: Sozialabgaben sollten nicht nur auf Löhne, sondern auf die gesamte Wertschöpfung eines Unternehmens berechnet werden. Personalintensive Branchen wie Hotellerie und Veranstaltungswirtschaft würden entlastet, kapitalintensive Industrie stärker beteiligt.

„Die Lohnnebenkosten sind vom Denkansatz her gemein“, so Gysi. Auf die Frage, ob er es bereue, dass die Idee nie umgesetzt wurde, verwies er auf den Mindestlohn: „Der hat auch 24 Jahre gebraucht von meinem ersten Vorschlag bis zur Umsetzung.“

Fritzges betonte: „Hier im Raum haben Sie nur Verbündete: Hoteliers und Eventmanager, die seit Jahrzehnten mit hohen Lohnkosten und niedrigen Margen kämpfen. Die wollen vor allem eines: Tempo beim Bürokratieabbau.“

Gysi, mit einem Augenzwinkern: „Ich bin 78, wenn ich nächste Woche wieder einen Vorschlag mache und Sie warten wieder 24 Jahre, dann bin ich zu alt. Sie müssten eigentlich so nach vier Jahren anfangen, das zu realisieren.“

Späti-Konzept: Von der Messehalle in die Nachtrevue

Die ITB MICE Night griff das neue Späti-Konzept der ITB Berlin auf. In Halle 7.2c hat die Messe Berlin einen urbanen Networking-Hub etabliert, die MICE Night verlängerte diese Idee in den Abend. Zwischen historischem Ambiente und Showacts tauschten sich handverlesene Führungskräfte aus Hotellerie, Eventbranche und Verbänden aus.

Ramona Zaun, stellvertretende Direktorin der ITB Berlin, eröffnete den Abend mit einer Ankündigung: Zur ITB 2027 soll das Thema MICE wieder stärker auf der Messe vertreten sein – mit Unterstützung des VDVO.

Networking braucht persönliche Begegnung

Gysi betonte die Bedeutung persönlicher Treffen für die Branche: „Dieses Zuhause bleiben und nur noch über Computer miteinander reden, das ist zu wenig. Man muss sich auch Auge in Auge streiten.“ Homeoffice habe seine Berechtigung, „aber es darf nicht zum Standard werden, weil das zu einer Vereinzelung der Menschen führt.“

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