LEaT con Main Stage Session

Milan & AVB/TSN – Darum sind interoperable Audio-Netzwerke die Zukunft

Netzwerkbasierte Audiosysteme sind längst Standard in der professionellen Beschallung, im Broadcast und in Festinstallationen. Mit der steigenden Systemkomplexität wachsen jedoch auch die Anforderungen an Stabilität, planbare Latenz, Klangqualität und Interoperabilität. Auf der LEaT con 25 widmete sich **Fabian Braun von der JOYNED GmbH genau diesen Fragestellungen. In seinem Vortrag „The Future of Networked Audio“ zeigte er, warum Netzwerktechnologie im Audiobereich kein exklusives Feature einzelner Hersteller sein darf – sondern eine gemeinsame, verlässliche Infrastruktur braucht.

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Im Mittelpunkt stand Milan, ein auf AVB/TSN basierender, zertifizierter Netzwerkstandard, der Audio-Netzwerke planbar, herstellerübergreifend kompatibel und klanglich belastbar machen soll – auch unter realen Live-Bedingungen.

Warum Networked Audio eine gemeinsame Sprache braucht

Audio über Ethernet ist heute selbstverständlich: Mischpulte, Stageboxen, Lautsprecher, Controller und Interfaces sind permanent vernetzt. Dennoch arbeiten viele Systeme weiterhin in proprietären Ökosystemen. Das erschwert den herstellerübergreifenden Betrieb und erhöht das Risiko im Live-Einsatz.

Milan verfolgt einen anderen Ansatz. Netzwerktechnologie wird hier nicht als Differenzierungsmerkmal verstanden, sondern als gemeinsame Basis, vergleichbar mit einer Sprache, die alle sprechen. Entwickelt wird der Standard im Umfeld der AVNU Alliance und von zahlreichen Audio- und Netzwerkherstellern unterstützt.


Save the Date

📍 LEaT X 26: 4.–5. März, Dampfdom Motorworld München
📍 LEaT con 26: 6.–8. Oktober, Hamburg Messe, Hallen A1 & A4

Beide Events bringen die Branche auch 2026 wieder zusammen – für Wissenstransfer, Networking und Innovation in der Event- und Medientechnik.

>> Weitere Informationen gibt es unter: www.leatcon.com


Milan, AVB und TSN – die technischen Grundlagen

Technologisch basiert Milan auf AVB/TSN (Audio Video Bridging / Time Sensitive Networking). Ethernet selbst ist extrem robust und zukunftssicher, wurde ursprünglich jedoch nicht für zeitkritische Anwendungen wie Audio entwickelt.

TSN erweitert Ethernet um entscheidende Funktionen: garantierte Bandbreite, deterministische Latenzen und präzise Zeitsynchronisation. Milan reduziert diese Möglichkeiten bewusst auf ein klar definiertes Profil. Statt vieler optionaler Varianten gibt es feste Regeln für Streamformate, Clocking, Redundanz und Steuerung – die Grundlage für echte Interoperabilität zwischen unterschiedlichen Herstellern.

gPTP: Warum Timing hörbar relevant ist

Ein zentrales Element von Milan ist gPTP (generalized Precision Time Protocol). Alle Geräte im Netzwerk – vom Mikrofon bis zum Lautsprecher – arbeiten mit einer gemeinsamen, hochpräzisen Zeitbasis.

Das ist entscheidend, um Sample-genaue Synchronität zu erreichen, unnötige Sample-Rate-Konvertierungen zu vermeiden und Jitter zu minimieren. Gerade bei Line-Array-Systemen oder großen Netzwerken wirkt sich schlechtes Timing direkt auf Höhenauflösung, Phasenstabilität und räumliche Abbildung aus. Milan setzt hier auf hardwaregestütztes Time-Stamping in Endgeräten und Switches, um auch bei hoher Netzlast stabil zu bleiben.

Latenz in Milan-Netzwerken: Ein häufiges Missverständnis

Ein verbreiteter Mythos lautet, Milan habe grundsätzlich eine feste Latenz von 2 ms. Tatsächlich ist die Latenz konfigurierbar und hängt von der Netzwerkstruktur ab. Entscheidend ist die sogenannte Presentation Time Offset.

Audio-Pakete werden mit einem Zeitstempel versehen und an allen Empfängern exakt zum gleichen Zeitpunkt ausgegeben. Die resultierende Latenz ergibt sich aus der Anzahl der Netzwerk-Hops und der Link-Geschwindigkeit. Als Faustregel gilt: Pro Hop fallen etwa 0,13 ms an. Selbst große Netzwerke bleiben damit unterhalb weniger Millisekunden – vor allem aber deterministisch und garantiert.

Stream Reservation: Garantierte Stabilität statt Best-Effort

Ein wesentlicher Unterschied zu klassischen IP-basierten Lösungen ist die Stream Reservation. Jeder Milan-Audiostream reserviert vorab die benötigte Bandbreite im Netzwerk. Ist diese nicht verfügbar, wird die Verbindung gar nicht erst aufgebaut.

Für den Praxisbetrieb bedeutet das klare Verhältnisse: keine zufälligen Dropouts, keine schleichenden Qualitätsverluste und sofortiges Feedback bei Überlast. Maximal 75 % der verfügbaren Bandbreite dürfen für Audio reserviert werden – die restlichen 25 % bleiben garantiert für Steuerdaten und IT-Traffic verfügbar.

Zertifizierung: Vertrauen durch geprüfte Interoperabilität

Milan ist nicht nur eine Spezifikation, sondern ein zertifizierter Standard. Geräte mit Milan-Logo haben einen definierten Prüfprozess durchlaufen, inklusive unabhängiger Tests. Für Anwender bedeutet das Planungssicherheit: Milan-zertifizierte Geräte lassen sich herstellerübergreifend kombinieren, ohne auf proprietäre Workarounds angewiesen zu sein.

Fazit: Networked Audio als klangrelevante Infrastruktur

Der Vortrag von Fabian Braun machte deutlich, dass Networked Audio längst mehr ist als reine Infrastruktur. Präzises Timing, garantierte Bandbreite und definierte Latenzen wirken sich unmittelbar auf den Klang aus. Milan und AVB/TSN schaffen die Grundlage für Audio-Netzwerke, die nicht nur zuverlässig funktionieren, sondern mess- und hörbar besser klingen – und gleichzeitig für mehr Anwender zugänglich werden.

Ab sofort gibt es zweimal pro Woche frischen Main-Stage-Content von der LEaT con 25! Montags und mittwochs gehen neue Videos online. Perfekt zum Nachschauen, Teilen und für alle, die das Programm vor Ort nicht komplett sehen konnten. Hier geht es direkt zu unserem YouTube-Kanal – abonnieren und kein neues Video verpassen: www.youtube.com/@leatcon

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