LEaT con Main Stage Session

Wie IGVW-Standards Qualität und Sicherheit in der Veranstaltungswirtschaft definieren

Qualität und Sicherheit in der Veranstaltungswirtschaft entstehen nicht zufällig. Sie sind das Ergebnis klar definierter Prozesse, gemeinsamer Verständigung innerhalb der Branche und verbindlicher Regeln, an denen sich Planung, Umsetzung und Verantwortung orientieren. Welche Rolle dabei die IGVW-Standards der Qualität spielen und warum sie heute relevanter sind denn je, zeigte Matthias Möller in seinem Vortrag auf der LEaT con 25.

Anzeige

Möller ist Senior Technical Officer beim Bühnentechnik-Hersteller SIXTY82, Obmann des Fachausschusses für Qualitätsstandards und Vorstandsmitglied der Interessengemeinschaft der Veranstaltungswirtschaft (IGVW). In seinem Vortrag gab er einen umfassenden Überblick über Entstehung, Struktur und praktische Bedeutung der IGVW-Standards – und ordnete sie klar im Kontext von Recht, Normung und Arbeitsschutz ein.

Von der Brancheninitiative zum anerkannten Regelwerk

Die Geschichte der IGVW-Standards reicht fast zwei Jahrzehnte zurück. Was ursprünglich als freiwilliger Schulterschluss mehrerer Verbände begann, hat sich über die Jahre zu einem strukturierten und breit getragenen Regelwerk entwickelt. Seit 2010 werden die Standards kontinuierlich erweitert und fortgeschrieben – immer mit dem Ziel, ein realistisches und in der Praxis umsetzbares Qualitätsniveau für die Veranstaltungswirtschaft zu definieren.

Dabei entstehen die Inhalte nicht losgelöst von der Branche. Vielmehr fließen Erfahrungen, Rückmeldungen und konkrete Bedarfe aus der täglichen Arbeit von Dienstleistern, Betreibern und Fachkräften ein. Genau dieser Bottom-up-Ansatz ist ein wesentlicher Grund dafür, warum die Standards in der Praxis akzeptiert und angewendet werden.


Save the Date

📍 LEaT X 26: 4.–5. März, Dampfdom Motorworld München
📍 LEaT con 26: 6.–8. Oktober, Hamburg Messe, Hallen A1 & A4

Beide Events bringen die Branche auch 2026 wieder zusammen – für Wissenstransfer, Networking und Innovation in der Event- und Medientechnik.

>> Weitere Informationen gibt es unter: www.leatcon.com


O-P-Q: Struktur statt Beliebigkeit

Zentrales Ordnungsprinzip der IGVW-Standards ist das sogenannte O-P-Q-Modell. Es unterscheidet zwischen Organisation, Praxis und Qualifikation. Organisationsstandards beschreiben Verantwortlichkeiten, Rollen und Arbeitsverfahren, etwa bei der Veranstaltungsleitung oder der Arbeitsschutzorganisation. Praxisstandards widmen sich konkreten technischen und handwerklichen Themen wie Traversen, Elektrokettenzügen, mobilen elektrischen Anlagen oder dem Dekorationsbau. Qualifikationsstandards wiederum definieren, welche Kenntnisse und Kompetenzen für bestimmte Tätigkeiten erforderlich sind.

Ein wichtiger Punkt, den Möller klar herausstellte: Qualifikationsstandards regeln nicht, wer etwas „darf“, sondern welche Inhalte vermittelt werden müssen, damit Fachkräfte ihre Aufgaben sicher und fachgerecht erfüllen können. Diese Differenzierung ist entscheidend für das Verständnis der Standards – und wird in der Praxis häufig missverstanden.

IGVW-Standards und das DGUV-Regelwerk

Besonders deutlich wurde im Vortrag, dass die IGVW-Standards längst nicht mehr nur interne Branchenempfehlungen sind. Inzwischen finden sich konkrete Verweise auf sie im Regelwerk der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), unter anderem in der DGUV Regel 115-002 „Veranstaltungs- und Produktionsstätten für szenische Darstellung“.

Dort werden die Standards explizit als Orientierung zur Erfüllung von Schutzzielen herangezogen – etwa bei Standsicherheit und Tragfähigkeit, Absturzsicherung, persönlicher Schutzausrüstung, dem Betrieb elektrischer Anlagen oder dem Brandschutz im Dekorationsbau. Wer in diesen Bereichen tätig ist, kommt an den IGVW-Standards faktisch nicht mehr vorbei, wenn er Verantwortung trägt und rechtssicher handeln will.

Neue Entwicklungen: Strom, Sondernetze und Normung

Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags lag auf aktuellen Entwicklungen im Bereich der Elektrotechnik. Möller erläuterte neue Erkenntnisse aus der Normungsarbeit, wonach mobile elektrische Anlagen in der Veranstaltungstechnik als sogenannte Sondernetze betrachtet werden. Diese Einordnung hat weitreichende Folgen für Planung, Betrieb und Qualifikation – und führt dazu, dass spezifische Normen und IGVW-Standards gegenüber allgemeinen VDE-Regelwerken stärker in den Fokus rücken.

Gerade für Fachkräfte, die regelmäßig mit temporären Stromversorgungen arbeiten, ergibt sich daraus ein klarer Handlungsauftrag: Kenntnisse über die relevanten Standards sind keine Kür mehr, sondern Voraussetzung für sichere und regelkonforme Arbeit.

Standards als Werkzeug, nicht als Selbstzweck

Der Vortrag machte deutlich, dass IGVW-Standards kein bürokratisches Konstrukt sind, sondern ein praxisnahes Werkzeug. Sie helfen dabei, Qualität messbar zu machen, Verantwortlichkeiten zu klären und Sicherheit systematisch umzusetzen. Gleichzeitig leben sie davon, dass sich die Branche aktiv einbringt – sei es durch Mitarbeit in Gremien, durch Kommentare in Entwurfsphasen oder durch bewusste Anwendung im Alltag.

Wer versteht, wie die Standards entstanden sind und wo sie heute verankert sind, kann sie gezielt nutzen: als Argumentationshilfe, als Orientierung bei Planung und Durchführung und nicht zuletzt als Schutz im Ernstfall.

Ab sofort gibt es zweimal pro Woche frischen Main-Stage-Content von der LEaT con 25! Montags und mittwochs gehen neue Videos online. Perfekt zum Nachschauen, Teilen und für alle, die das Programm vor Ort nicht komplett sehen konnten. Hier geht es direkt zu unserem YouTube-Kanal – abonnieren und kein neues Video verpassen: www.youtube.com/@leatcon

Für noch mehr Einblicke, News und Behind-the-Scenes-Momente folgt LEaT con auch auf Social Media:
📸 Instagram
💼 LinkedIn
👍 Facebook
🎬 TikTok

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.