55,3 Mrd. Euro investierten deutsche Unternehmen

Ausgaben für Geschäftsreisen erreichten 2019 Rekordniveau

Die aktuelle VDR-Geschäftsreiseanalyse belegt, deutsche Unternehmen und öffentliche Institutionen haben sich ihre Geschäftsreisen im Jahr 2019 so viel kosten lassen wie noch nie: Die Ausgaben seien im Vergleich zu 2018 um 3,5 % gestiegen und hätten so ein neues Allzeithoch von 55,3 Mrd. Euro erreicht.

Wachstumskurve_Profit(Bild: Pixabay)

Laut VDR gab es im vergangenen Jahr insgesamt 195,4 Mio. Geschäftsreisen (+ 3,1 %) und 13,0 Mio. Geschäftsreisende (+ 8,2 %). Die VDR-Geschäftsreiseanalyse 2020 spiegele das Reiseverhalten deutscher Unternehmen und Organisationen des öffentlichen Sektors im Jahr 2019 wider. Daher würden die Auswirkungen der Reisebeschränkungen im Zusammenhang mit der anhaltenden COVID-19-Pandemie noch nicht abgebildet. Einige Fragestellungen gäben jedoch Hinweise zum außergewöhnlichen Jahr 2020.

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Volkswirtschaftliche Bedeutung von Dienstreisen weiterhin hoch

„Die Ergebnisse zeigen, dass Geschäftsreisen vor dem pandemiebedingten Lockdown ein wichtiger Motor der konjunkturellen Entwicklung in Deutschland waren. Für Unternehmen, ihre reisenden Mitarbeiter und die gesamte Geschäftsreisebranche ist die Corona-Pandemie eine historische Zäsur, die es unter gemeinsamer Anstrengung aller Marktbeteiligten zu meistern gilt. Geschäftsreisen dienen seit jeher einem unternehmerischen Zweck und sind in vielen Fällen eine ökonomische Notwendigkeit. Würden Dienstreisen dauerhaft ausgesetzt, ginge ein erheblicher Anteil der Wirtschaftsleistung verloren – in Deutschland und weltweit. Auch die persönliche Verständigung zwischen den Menschen und Unternehmen wird wichtig bleiben und ist nicht dauerhaft durch rein virtuelle Kommunikationsinstrumente zu ersetzen. Intelligent gemanagte Geschäftsreisen werden auch in Zukunft ein notwendiges Erfolgsinstrument für Wirtschaftswachstum in Deutschland sein“, sagte VDR-Vizepräsidentin Inge Pirner bei der Präsentation der Studienergebnisse Ende September.

Mehr Geschäftsreisen und mehr Reisende

Zum Rekordergebnis in 2019 hätten, so der VDR, vor allem eine höhere Anzahl an Auslandsreisen beigetragen, insbesondere aus dem verarbeitenden Gewerbe und Bau: 30 % ihrer Geschäftsreisen seien ins Ausland gegangen, während der öffentliche Sektor zu 92 % im Inland geblieben sei. Resultierend aus der Spitzenbeschäftigungslage in Deutschland hätte sich mit 13 Mio. auch ein neuer Höchststand an Geschäftsreisenden ergeben.

„Neben den Ausgaben für Transport und Beherbergung leisten Unternehmen und ihre Geschäftsreisenden einen immensen Beitrag zur regionalen Wertschöpfung – etwa in Gastronomie, Einzelhandel, Dienstleistungssektor und Kultur. Umso wichtiger ist es, dass Geschäftsreisen unter Einhaltung der Sicherheits- und Hygieneregeln wieder planbar, zuverlässig und verantwortungsbewusst durchgeführt werden können. Auch die Politik muss dazu ihren Beitrag leisten, etwa indem sie regulatorische Flickenteppiche beseitigt. Regional unterschiedliche Vorschriften für Hygiene, Öffnungen, Ein- und Ausreise sind für Unternehmen und Dienstleister nicht umsetzbar und für eine intelligent gesteuerte Wiederaufnahme der Reisetätigkeit kontraproduktiv“, sagte das für Marktforschung zuständige VDR-Präsidiumsmitglied Oliver Meinicke.

KMU reisen öfter eintägig

Im Jahr 2019 habe sich nach VDR-Angaben der Trend in den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) erneut verstärkt, ihre Geschäftsreisenden noch am selben Tag nach Hause zurückkehren zu lassen: Tagesreisen hätten mit 70 % einen Höchststand erreicht. Analog hierzu würden die Reisen zu 86 % im Inland getätigt, mit einer unveränderten Durchschnittsdauer von 1,6 Tagen. Je größer die Firma, umso länger die Reise. In den größten Firmen seien 53 % der Geschäftsreisen 2019 mit mindestens einer Übernachtung verbunden gewesen. Die Durchschnittsdauer wäre mit 2,3 Tagen etwas angestiegen und 34 % der Reisen hätten ins Ausland geführt. Der öffentliche Sektor sei naturgemäß wesentlich öfter im Inland gereist, die meisten Dienstreisen wären hier ohne Übernachtung durchgeführt worden.

Allzeithoch bei Übernachtungen

Das Jahr 2019 hätte dem Beherbergungssektor im In- und Ausland einen Rekord von 74,3 Mio. Übernachtungen aus Betrieben mit zehn und mehr Mitarbeitern (+ 2,6 % im Jahresvergleich) beschert. Davon wären 74 % dem Inland zugutegekommen. Längere Geschäftsreisen, vor allem der größeren Unternehmen mit 5,9 % mehr Übernachtungen, wären hauptsächlich für den Anstieg im Ausland ursächlich. Mittelständische Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern seien laut VDR gegenüber dem Vorjahr häufiger in Deutschland unterwegs gewesen und hätten hier für eine halbe Million mehr Übernachtungen gesorgt. Die weltweiten, alle Beherbergungsbetriebe und -kategorien zusammenfassenden, Durchschnittskosten pro Übernachtung hätten 134 Euro (im Vorjahr: 128 Euro) betrugen.

Nachhaltigkeit als Wettbewerbsfaktor

Größere Unternehmen hätten, so der VDR, schon zu Anfang des Jahrzehnts über eine nahezu hundert-prozentige Abdeckung mit Travel Policies berichtet. Mittelständische und kleinere Firmen hätten nun stark nachgeholt. Von den Unternehmen, die eine Reiserichtlinie besäßen, habe heute knapp die Mehrheit Steuerungselemente zugunsten der Nachhaltigkeit eingebaut beziehungsweise plane dies. Da der Anteil mittelständischer Firmen, die eine Reiserichtlinie einsetzten, seit 2013 stark gestiegen sei, bedeute das auch einen entsprechend größeren Effekt für den Klimaschutz. Dieser Trend in Unternehmen, wo es einen eigenen Verantwortungsbereich für das Geschäftsreise- und Mobilitätsmanagement gäbe, noch stärker zu erkennen.

Geschäftsreiseverantwortliche seien laut VDR nicht nur ökonomisch verantwortungsbewusste Einkäufer, sondern sähen sich zunehmend auch in der Pflicht, einen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten. Heute gingen 73 % der befragten Travel- und Mobilitätsmanager aus größeren Firmen, 71 % im öffentlichen Sektor und 45 % im Mittelstand davon aus, dass sich Nachhaltigkeit zu einem Wettbewerbsfaktor bei der Wahl von Leistungsträgern entwickeln werde. In der Krise steckten auch Chancen für das Travel Management, da die Geschäftsreise-Organisatoren an der Schnittstelle von Mensch und Mobilität die Expertise, Kompetenz und vielfach auch die Tools besäßen, Unternehmensmobilität zukunftsweisend und nachhaltig umzugestalten.

>> Zum Download der VDR-Geschäftsreiseanalyse 2020

Über die VDR-Geschäftsreiseanalyse

Die Grundgesamtheit der Untersuchung bilden alle Unternehmen mit Sitz in Deutschland – auch diejenigen mit Aktivitäten im Ausland – sowie Organisationen des öffentlichen Sektors ab zehn Mitarbeitern. Zwischen Januar und Juli 2020 wurden 800 computergestützte Telefon- und Online-Interviews mit Personen geführt, die für das Management von Geschäftsreisen zuständig beziehungsweise organisatorisch befugt sind, die gesuchten Daten zur Verfügung zu stellen. Somit spiegeln die Antworten auf qualitative Fragen die zum Zeitpunkt der Befragung aktuelle Situation wider, alle anderen basieren auf den Zahlen des Jahres 2018. Die Geschäftsreiseanalyse 2020 erscheint mit Unterstützung von AccorHotels Deutschland, AirPlus International, Amadeus Germany, ATG Travel Deutschland, ITB Berlin und Lufthansa Group.

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