Versperrt uns Fachwissen den Blick?

Kreativität im Fokus des Career Hub auf der BOE 2020

Der Career Hub des Studieninstitutes auf der BOE International 2020 (Halle 7, Stand 7.A23) widmet sich u.a. dem Thema „Kreativität in der Live-Kommunikation“. Am 15. Januar 2020 werden dazu die Ergebnisse einer Kreativitäts-Umfrage präsentiert, die das Studieninstitut gemeinsam mit PR-Berater und Trainer Jürgen Preiß durchgeführt hat. Im Anschluss ist Mitmachen erwünscht: Jürgen Preiß lädt ein zum Workshop „Creative Playground“ und öffnet die Trickkiste der Kreativitätstechniken.

Kreativität(Bild: Pexels)

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Im folgenden Interview geht Kreativ-Trainer Jürgen Preiß der Kreativität auf den Grund, erklärt, wie wir sie vernachlässigen und mit welchen Methoden, man sie trainieren und optimieren kann:

Jürgen Preiß
Jürgen Preiß (Bild: Jürgen Preiß / Studieninstitut für Kommunikation)

Spontan kreative Ideen oder originelle Ansätze entwickeln, gehört zum Berufsalltag in der Erlebniskommunikation. Aber wie geht das? Wie kann man auf Knopfdruck kreativ sein? Doch was ist Kreativität eigentlich?

Jürgen Preiß: Kreativität ist ein vielbemühtes Wort. Jeder versteht etwas anderes darunter. Häufig setzen wir es gleich mit dem schöpferischen Schaffen eines Künstlers. Weit verbreitet scheint mir auch ein Kreativitätsverständnis, das auf dem Phänomen kreativer Geistesblitze basiert, die sich jedoch nicht steuern oder trainieren lassen. Nach Edward de Bono, einem der führenden Kreativitätsforscher, ist das menschliche Gehirn von Natur aus gar nicht für kreatives Denken gemacht. Ich spreche lieber von strukturiertem Denken und Denkmethoden, mit denen wir zu „kreativen“ Lösungen und Ergebnissen kommen können.

Kann jeder kreativ sein?

Jürgen Preiß: Ja, in meinem Verständnis ist jeder Mensch „kreativ“, denn jeder Mensch ist in der Lage, Probleme und Aufgaben zu lösen. Es ist ein angeborener Antrieb, Dinge auszuprobieren, zu kombinieren usw. Man kann also nicht, nicht „kreativ“ sein. Unterschiede gibt es lediglich bzgl. Weg und Methode. Häufig trauen sich Menschen nicht ihre „kreativen“ Potenziale auszuschöpfen oder sie haben es einfach verlernt. Noch schlimmer ist es, wenn sie aufgrund von Erfahrungen in Kindergarten, Schule, Familie und Arbeitsleben verinnerlicht haben, dass es besser ist, Aufgaben unreflektiert abzuarbeiten, keine eigenen Lösungswege zu suchen und besser nicht mit eigenen Ideen aufzufallen.

Brauche ich Kreativität auch im Alltag oder nur im Job?

Jürgen Preiß: Überall dort wo Aufgaben zu lösen sind, lassen sich „kreative“, strukturierte Denkmethoden einsetzen, um schnell und gezielt zu Ergebnissen zu gelangen. Im Beruf ist es je nach Aufgabenstellung unerlässlich, dass ein bestimmtes Fachwissen vorliegt. Spätestens seit dem „design thinking“ wissen wir aber, dass interdisziplinäre Teams positiven Einfluss auf kreative Prozesse haben. Zuviel Fachwissen kann auch den Blick versperren. Neue Impulse kommen vielfach aus der Kombination unterschiedlicher Sichtweisen und von außen – out of the box.

Hat die Digitalisierung Einfluss auf meine Kreativität?

Jürgen Preiß: Ich denke, durch die Digitalisierung werden wir überflutet mit ungefilterten Eindrücken und Informationen. Seit wir das gesamte Wissen der Menschheit im Smartphone in der Hosentasche tragen, ist es schwieriger geworden, etwas jenseits des Mainstreams zu entwickeln. Andererseits gibt es dadurch deutlich mehr Inspiration und die Möglichkeit, Dinge zu etwas Neuem zu verknüpfen. Es beinhaltet aber auch die Tendenz zur Eskalation. Nach dem quantitativen „Höher-Schneller-Weiter-Prinzip“ müssen immer krassere Aktionen erfolgen, um aufzufallen. Es ist nicht leicht, aus diesem Denkmuster auszubrechen.

Was verbirgt sich hinter Ihrem Creative-Playground-Concept?

Jürgen Preiß: Es ist zunächst einmal ein Format, um den Teilnehmern zu zeigen, wie sie mit einer Toolbox voller Kreativitätstechniken, spielerisch an die Lösung von Aufgaben und Problemen herangehen können. Die Fokussierung auf schnelle Ergebnisse im Berufsalltag, engt Lösungsräume häufig ein. Der Creative-Playground-Ansatz bildet dazu einen Gegenpol. Übrigens ganz im Geiste einer „verspielten“ Unternehmenskultur, wie sie auch in der Trendstudie „Playful Business“ des Zukunftsinstituts von Matthias Horx thematisiert wird. Sein Slogan: „Wer spielt, gewinnt“. Wer neue, zielführende Methoden in seinen Arbeitsalltag integrieren möchte, tut gut daran, dies angstfrei und spielerisch zu tun.

Welche Methoden werden in der Berufspraxis am häufigsten genutzt?

Jürgen Preiß: In der Praxis ist ein rudimentärer „Brainstorming-Ansatz“ sicher am weitesten verbreitet. Häufig hört es dann aber auch schon auf. Dabei ist die Bandbreite der Kreativitäts­techniken sehr groß und lädt zum Ausprobieren ein. Die Methodenauswahl hängt letztlich von der Aufgabenstellung und den Akteuren ab. Meist ist es auch sinnvoll, mehrere Methoden zu kombinieren. Gemeinsam mit dem Studieninstitut werte ich gerade eine Umfrage aus. Wir wollen insbesondere herausfinden, welche Erfahrungen Agenturen mit diesem Thema haben und wo das Studieninstitut auf dem Weg zu mehr Kreativität, sofern gewünscht, unterstützen kann. Denn: Wer die eine gute Idee haben will, tut gut daran, viele Ideen zu haben.

Wer mehr über die weiteren Themen auf dem Career Hub 2020 wissen will: Das gesamte Programm und kostenfreie Messetickets für die BOE International gibt es unter www.boe-careerhub.de.

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