Alternative Tonspuren via HbbTV 2

Mehr Sprachverständlichkeit: Pilotprojekt BR Dialog+

Dialog Plus(Bild: BR / Petra Decker)

Der Bayerische Rundfunk testet auf Basis im Rahmen eines automatisierten Verfahren zur Erstellung leichter verständlicher Mischungen für kanalbasiertes und objektbasiertes Audio im Pilotbetrieb die Ausstrahlung einer neuen Tonspur. Zuschauerinnen und Zuschauer erhalten damit die Möglichkeit, sich via HbbTV 2 für Dialog+ als Alternative zum regulären Sendeton (Originalmischung) zu entscheiden. Dialog+ ist ein zusätzliches Audioangebot mit dem Ziel, die Sprache in einer Fernsehsendung leichter und besser verstehen zu können.

Bei Dialog+ Tonfassungen sind die Hintergrundtöne (Geräusche, Musik, Atmosphäre) verringert. Dadurch werden die Sprachanteile gegenüber der Originalmischung stärker hervorgehoben. Die Audioanalyse und Generierung der sprachbetonenden Dialog+-Tonmischung erfolgt dabei automatisiert auf Basis der Originalmischung durch einen Algorithmus. Ziel von Dialog+ ist es, die Höranstrengung bei der Verständlichkeit von Sprache zu vermindern und gleichzeitig ein angenehmes Fernseherlebnis zu schaffen. Gestalterische und klangliche Aspekte sind zwar weiterhin von Bedeutung, stehen bei Dialog+ aber nicht im Vordergrund.

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Dialog+ startet im Rahmen des Pilotbetriebs mit Naturdokumentationen im BR Fernsehen. Zum Auftakt wurde die Sendung “Die Bayerische Donau – Eine Winterreise” am 5. Dezember 2020 mit Dialog+ ausgestrahlt. Als nächste Sendungen im Pilotprojekt ist die Sendereihe “Natur exclusiv“ jeweils samstags um 16.15 Uhr vorgesehen.

Wie nutzt man “BR Dialog+”?

Über die HbbTV-Startleiste stehen in der Applikation “BR Dialog+“ die Originalmischung und Dialog+-Tonspuren mit unterschiedlich stark betonten Sprachanteilen zur Auswahl. Um die Dialog+-Tonspuren hören zu können, sind allerdings diese technische Ausrüstung und Verbindungen erforderlich

  • Empfang via Satellit
  • Ein HbbTV 2-taugliches Fernsehgerät (Smart-TV), das mit dem Internet verbunden ist (geeignete Geräte zeigen die BR-Dialog+-Applikation in der HbbTV-Startleiste im BR Fernsehen an)

Pilotbetrieb nach Tests und Hörversuchen

Der BR hat in einem internen Innovationsprojekt in Kooperation mit dem Institut für Rundfunktechnik (IRT) und dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) die Möglichkeit zur automatischen Erzeugung von Dialog+-Tonfassungen durch Dialogseparation untersucht. Zugleich wurden vom IRT mit Laien und Experten Hörversuche durchgeführt und die Wirksamkeit verschiedener automatischer Verfahren geprüft. Vor dem WDR Dialog+ Feldtest wurden eine Online-Demo und -Befragung mit über 2000 Zuschauer*innen durchgeführt und detailliert ausgewertet.

Produktions- und Technikdirektorin Prof. Birgit Spanner-Ulmer: “Aufgrund der positiven Bewertung bei den Hörversuchen hat sich der BR für eine Fortsetzung und einen erweiterten Pilotversuch zu Dialog+ entschieden. Unser Ziel ist es, dabei noch mehr Erfahrungen mit nachträglicher Dialogseparation zu sammeln und letztlich auch ein breiteres Publikum mit einzubeziehen für die Beurteilung eines individuell nutzbaren und bedürfnisorientierten Zusatzangebots für mehr Sprachverständlichkeit.“

KI-basierte Dialogseparation

Zum Einsatz kommt bei “BR Dialog+” der neue Technikstandard HbbTV 2, den auch das IRT entscheidend mitentwickelt hat. Kooperationspartner ist das Fraunhofer IIS mit einer KI-basierten Eigenentwicklung für die erforderliche Dialogseparation.

Dialog+ ist ein automatisiertes Verfahren zur Erstellung leichter verständlicher Mischungen für kanalbasiertes und objektbasiertes Audio. Der objektbasierte Ansatz bietet dabei weitreichendere Möglichkeiten der Audio-Personalisierung. Dialog+ basiert auf der Deep Learning Dialogseparation des Fraunhofer IIS und kann sowohl auf neue Produktionen, als auch auf Archivmaterial angewandt werden. Diese Deep learning-basierten Dialogseparationsverfahren existieren schon seit einigen Jahren. Inzwischen ist die Qualität so weit vorangeschritten, dass ein Pilotbetrieb, wie etwa aktuell mit BR und WDR, Sinn macht. Das Dialog+ Verfahren zielt auf jede Art von Broadcast- und Streaminginhalten ab.
Weitere Informationen zum Verfahren gibt es hier: https://www.audioblog.iis.fraunhofer.com/de/dialogplus-lineares-fernsehen-wdr-br

Arbeitsgruppe zum Thema Sprachverständlichkeit

Nicht nur der Bayerische Rundfunk arbeitet an dem Thema: Auch andere Landesrundfunkanstalten erproben, ob und wie Sprachverständlichkeit von Fernsehinhalten mit technischen Mitteln optimiert werden kann. Im Rahmen einer ARD-Arbeitsgruppe Sprachverständlichkeit werden die Erkenntnisse der einzelnen Häuser untereinander ausgetauscht und bewertet. Letztlich eint alle Landesrundfunkanstalten das gleiche Ziel – den Zuschauerinnen und Zuschauern einen Mehrwert bieten zu können.

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