Tontechnik

Audioübertragung mit Sennheiser Digital 6.000 bei den Münchner Kammerspielen

Im Herzen der bayerischen Landeshauptstadt sind die Münchner Kammerspiele beheimatet. Für die Audioübertragung kommen in dem im Jahr 1901 fertiggestellten Schauspielhaus Sennheiser Digital 6.000 zum Einsatz. 

Münchner Kammerspiele Sennheiser(Bild: Sennheiser)

Die Münchner Kammerspiele verfügen über vier Spielstätten: Hauptbühne ist das Schauspielhaus, das als eingeschossiges Rangtheater ausgeführt ist. Die zweitgrößte Spielstätte ist die Therese-Giehse-Halle. Hinzu kommt der Werkraum, der inzwischen auf eine fast fünfzigjährige Geschichte zurückblicken kann. Ein vormals als Tageskasse genutzter Bereich an der Maximilianstraße wurde in den so genannten „Habibi Kiosk“ umgewandelt. Unter anderem werden dort in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Diskussionsrunden abgehalten, Radiosendungen produziert und Konzerte umgesetzt — der „Habibi Kiosk“ wird inzwischen als vierte Bühne der Münchner Kammerspiele bezeichnet.

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Ton-Team

​„Wir sind ganz eindeutig ein modernes Sprechtheater, dessen Spielplan sich auch an ein vergleichsweise junges Publikum richtet“, sagt Tonmeister Wolfram Schild, der in den Münchner Kammerspielen als Leiter der Tonabteilung Verantwortung trägt. Schild zur Seite stehen Tonmeister/Musikwissenschaftler Johann Jürgen Koch sowie Martin Sraier. Das Haus verfügt über ein Dante-Netzwerk, mit dessen Hilfe digitale Audiosignale zwischen den unterschiedlichen Locations verteilt werden können. Angebunden an das Dante-Netzwerk sind auch eine Edit-Suite sowie alle Regieräume, die mit Digitalpultkonzepten aus deutscher Fertigung ausgestattet sind.

vl Bachmann, Schild, Sraier
v.l.n.r: Roland Bachmann, Sennheiser Account Manager Pro | AV, Tonmeister Wolfram Schild und Martin Sraier (Bild: Sennheiser)

„Die so genannte Hochsprache wird bei Aufführungen in den Münchner Kammerspielen kaum noch verwendet, da sie für unsere Ohren heutzutage arg gestelzt und auch ein wenig veraltet klingt“, berichtet Wolfram Schild. „Die Bühnenakteure unterhalten sich bei Aufführungen meist in Umgangssprache, und die Sprachbeiträge haben vielfach einen privaten Charakter angenommen. Letzteres ist ein zentraler Grund, weshalb bei uns im Haus Mikroports eingesetzt werden: Es geht nicht in erster Linie darum, die Stimmen laut zu machen, sondern die Sprache in all ihren Nuancen zum Publikum zu transportieren. Selbstverständlich gibt es außerdem immer wieder Situationen, in denen Stimmen über einem musikalischen Hintergrund platziert werden und trotzdem gut verständlich sein müssen. Weiterhin kommt es vor, dass die elektroakustische Verstärkung zwar nicht unbedingt als solche wahrnehmbar sein soll, dennoch aber entscheidend zur Textverständlichkeit beiträgt, wenn sich sprechende Bühnenprotagonisten beispielsweise aus dramaturgischen Gründen vom Publikum abwenden.“

Wolfram Schild verwendet den Begriff Mikroport, wenn von drahtloser Audiosignalübertragung die Rede ist. „In unseren Häusern werden Wireless-Systeme von Sennheiser bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten eingesetzt“, berichtet Schild. „Zeitgemäße Digitalvarianten haben unsere bewährten analogen Funkstrecken inzwischen weitgehend abgelöst. Im Schauspielhaus haben wir vor etwa dreieinhalb Jahren Produkte aus der Sennheiser Serie 5.000 durch Digital 6.000 Systeme ersetzt. Vergleichbar sind wir im Sommer 2021 in der Therese-Giehse-Halle verfahren.“

EM 6000 Sennheiser
Im Schauspielhaus der Münchner Kammerspiele können Inszenierungen auf 20 digitale Drahtloskanäle respektive zehn Doppelempfänger EM 6.000 zurückgreifen. (Bild: Sennheiser)

Laut Wolfram Schild waren die Komponenten der Serie 5.000 nach zwei Dekaden im Dauereinsatz „in die Jahre gekommen“. Schild kommentiert: „Diese Sennheiser Serie 5.000 ist großartig und eigentlich auch unkaputtbar, aber die stetig zunehmende Auslastung des verfügbaren Frequenzspektrums hat uns in den letzten Jahren immer mehr Probleme bereitet. Unsere Häuser befinden sich mitten in der Münchner Innenstadt, und wenn in einem der nahegelegenen Hotels größere Events mit Funktechnik stattfinden, macht sich das bei uns bemerkbar. Wir haben daher nach einer Drahtloslösung gesucht, die frei durchstimmbar und resistent gegen Einstreuungen ist.“

So fiel die Wahl schließlich auf Sennheiser Digital 6.000 Systeme. Die in den Münchner Kammerspielen vorhandenen analogen Sennheiser Drahtlossysteme wurden nach der Umrüstung nicht veräußert, sondern finden heute auf den Probebühnen Verwendung.

Handsender, Taschensender und ein Spezialadapter

​Im Schauspielhaus der Münchner Kammerspiele können Inszenierungen auf 20 digitale Drahtloskanäle respektive zehn EM 6.000 Doppelempfänger zurückgreifen. In der Therese-Giehse-Halle sind zwölf digitale Drahtloskanäle verfügbar. Im Werkraum verrichten Komponenten aus der analog arbeitenden Sennheiser Serie ew 500 G3 ihren achtkanaligen Dienst, wobei bereits über einen in näherer Zukunft zu vollziehenden Wechsel auf die digitale Ebene nachgedacht wird. „Im Werkraum sind acht Kanäle inzwischen definitiv zu wenig“, sagt Wolfram Schild und weist darauf hin, dass auch der Werkraum immer wieder von Einstreuungsproblemen betroffen ist.

Taschensendern SK 6212 Sennheiser
Die in den Münchner Kammerspielen verfügbaren Digitalkanäle werden mit Taschensendern SK 6.212 genutzt. (Bild: Senneheiser)

Die insgesamt 32 in den Münchner Kammerspielen verfügbaren Digitalkanäle werden mit SK 6.212 Taschensendern genutzt. Verfügbar sind weiterhin vier SK 6.000, die kombiniert mit einer Adapterkonstruktion verwendet werden, um Mikrofone ähnlich wie mit einem SKP-Aufstecksender drahtlos betreiben zu können. Die Lösung („P48 Phantom Power Adapter for SK 6.000/9.000“) mit XLR-Anschluss samt Lock-Ring stellt 48 Volt Phantomspeisung bereit und ist inzwischen auch für die SK 6.212 verfügbar.

Als Mikrofone werden in den Münchner Kammerspielen bevorzugt Sennheiser MKE 1 (Kugel) eingesetzt. Sennheiser Kondensator-Kopfbügelmikrofone des Typs SL Headmic 1 SB sind ebenfalls vorhanden.

Zu den Taschensendern gesellen sich im Schauspielhaus acht Handsender SKM 6.000. Sechs SKM 6.000 liegen in der Therese-Giehse-Halle bereit. Die Handsender sind mit Neumann KK 205 Kondensator-Kapselköpfen (Superniere) bestückt. „Bezüglich der Robustheit von Hand- und Taschensendern konnten wir bislang nur gute Erfahrungen sammeln“, konstatiert Wolfram Schild. „Die professionellen Systeme aus dem Portfolio von Sennheiser haben sich im rauen Theateralltag immer schon bestens bewährt, und die Digital 6.000 Systeme bilden diesbezüglich keine Ausnahme […].“

Handsender SKM 6000(Bild: Sennheiser)

Parameter-Anzeige im Mischpultkanal

​Alle Sennheiser-Empfänger EM 6.000 sind in den Münchner Kammerspielen redundant über Primary und Secondary Port an das Dante-Netzwerk angebunden. Für zusätzliche Betriebssicherheit sorgt der Umstand, dass die Port-Ausgänge separat über unterschiedliche Switches geführt werden. Die Gesamtlatenz des digitalen Audio-Verbunds bewegt sich laut Wolfram Schild trotz FIR-Filterung der Lautsprecherwiedergabe in einem vertretbaren Rahmen und macht sich im Live-Kontext nicht störend bemerkbar.

Gemischt werden die Audiosignale in Polaris Evolution Systemen der Salzbrenner media GmbH. Die Mischpultkonzepte bieten die Möglichkeit, unter Einsatz eines Add-ons auf ihren Touchdisplays ausgesuchte Parameter der Sennheiser Drahtlossysteme (Serie 2.000, Serie 6.000, Serie 9.000) anzuzeigen, wie es sonst bei einem Einsatz der WSM-Software („Wireless System Manager“) auf externen Monitoren möglich wäre. „Es ist ungemein hilfreich, Informationen wie beispielsweise die Restlaufzeit von Akkus oder NF- und HF-Pegel direkt im zugehörigen Mischpultkanal angezeigt zu bekommen“, berichtet Wolfram Schild aus der Praxis.

Akku-Einsatz

Zur Akkuladetechnik der Sennheiser Digital 6.000 Systeme äußert sich Wolfram Schild wie folgt: „In den vergangenen Jahren hat sich bezüglich der Akkutechnik wahnsinnig viel getan. Für alle Hand- und Taschensender besitzen wir eine doppelte Akku-Ausstattung, so dass sich einer von zwei Akkus grundsätzlich in einer Ladestation befindet. Im Moment betreiben wir die L 6.000 Ladestationen mit drei unterschiedlichen Lademodulen für die kleinen und großen Taschensender sowie für die Handsender.“

Akkukapazität, Performance, Verlässlichkeit und Umweltschutz gingen Hand in Hand: „Für mich ist es das erste Mal, dass ich Akkus mit gutem Gewissen ohne jegliche Bedenken in Live-Vorstellungen einsetze […]“, sagt Wolfram Schild über die Ladetechnik der Sennheiser Digital 6.000 Serie.

Wireless Systems Manager (Bildschirm) und die Rack-Ladestationen L 6000
Wireless Systems Manager (Bildschirm) und die Rack-Ladestationen L 6.000 (Bild: Sennheiser)

Mehr Funkstrecken in weniger Spektrum

Die Sennheiser-Systeme Digital 6.000 wurden von Systemausstattern geliefert; Einbau und Inbetriebnahme der Drahtlossysteme erfolgten durch die Tonabteilung des Hauses. Erster Ansprechpartner auf Seite von Sennheiser ist Roland Bachmann (Account Manager Pro/AV): „Gerade in funktechnisch stark belasteten Ballungsräumen wie der Münchner Innenstadt muss der zuverlässigen Drahtlosübertragung von Audiosignalen besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden“, erklärt der Spezialist. „Die Sennheiser Digital 6.000 Systeme sind perfekt für aktuelle und künftige Herausforderungen gerüstet. Dank ihrer wegweisenden Technologie können deutlich mehr Funkstrecken als früher in weniger Spektrum untergebracht werden. Hervorzuheben ist insbesondere die Möglichkeit, Übertragungsfrequenzen in einem äquidistanten Raster mit einem minimalen Abstand von 400 Kilohertz anordnen zu können. Im Link-Density-Mode lassen sich in Sondersituationen bei einem Spacing von 200 Kilohertz sogar bis zu 40 Strecken in einem acht Megahertz breiten TV-Kanal unterbringen.“

Drahtlosübertragung

​„Seit wir die Sennheiser Digital 6.000 Systeme im Einsatz haben, gibt es in unseren Spielstätten keine Probleme mit von außen kommenden Einstreuungen mehr“, berichtet Wolfram Schild erfreut. „Ich finde die neuen Sennheiser-Sendestrecken total überzeugend, zumal ihre Reichweite richtig gut ist – die Funkverbindung funktioniert auch bei größeren Distanzen innerhalb unserer Spielstätten absolut stabil.“ Die Systeme werden innerhalb des Frequenzbereichs A1 – A4 (470 – 558 MHz) betrieben. In den Spielstätten sind aktive AD 3.700 Breitband-Richtantennen installiert.

Münchner Kammerspiele Sennheiser(Bild: Sennheiser)

Zu den klanglichen Vorzügen der digitalen Drahtlosübertragung gehöre ein gegenüber analogen Sendestrecken verringertes Rauschen. Mit ihrer Rauscharmut begeisterten die Sennheiser Digital 6.000 Systeme bereits bei Tonaufnahmen, welche später auf CD veröffentlicht wurden. „Die digitale Übertragung klingt unglaublich sauber, selbst wenn viele Kanäle offen sind“, hat Wolfram Schild festgestellt. „Darüber hinaus hat man als Tonschaffender bemerkenswert viel Headroom zur Verfügung, was in unserem Produktionsalltag mit wechselnden Tonleuten komfortabel ist, da wir mit standardisierten Gain-Einstellungen arbeiten können. Den Gain-Parameter fassen wir inzwischen eigentlich nur noch an, wenn ausnahmsweise einmal statt Mic-Pegel ein Line-Signal per Sender übertragen werden soll. Die digitale Sennheiser-Drahtlostechnik ist analogen Übertragungskonzepten nach meinem Dafürhalten unter quasi allen Gesichtspunkten klar überlegen!“

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