Architekturbeleuchtung

Red Bull Arena Leipzig erstrahlt nach Umbau in neuem Licht

Mit einer Eröffnungsveranstaltung am 11. September 2021 empfing der RB Leipzig den FC Bayern München in der jüngst umgebauten Red Bull Arena. Die Heimspielstätte des Erstligisten RasenBallsport Leipzig wurde seit Ende 2018 unter Federführung des Wiener Architekturbüros Albert Wimmer ZT an moderne technische und infrastrukturelle Standards sowie die gewachsenen Erwartungen der Besucher an das Stadionerlebnis angepasst. Das Büro Licht Kunst Licht entwickelte für die Red Bull Arena ein Beleuchtungskonzept, welches das Potenzial der Stadionarchitektur intelligent und eindrücklich nutzt.

Luftaufnahme Arena
default (Bild: Signify / Red Bull)

Als „Stadion der Hunderttausend“ bekannt geworden, war das Zentralstadion einst das größte Stadion Deutschlands. Nach dem Umbau zum Anlass der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 wurde die Spielstätte im Juli 2010 schließlich in „Red Bull Arena“ umbenannt, nachdem der Stadionbetreiber die Namensrechte für 30 Jahre an Red Bull verkauft hatte.

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Um den gewachsenen Erwartungen der Besucher an das Stadionerlebnis sowie den Anforderungen großer internationaler Sportevents gerecht zu werden, entschieden sich Red Bull und der RasenBallsport e.V. dazu, das Stadion zu modernisieren. Den Auftrag für die Sanierung, Modernisierung und Erweiterung erhielt das Architekturbüro Albert Wimmer ZT aus Wien. Noch bis 2022 wird die Red Bull Arena in verschiedenen Bereichen um- und ausgebaut bzw. modernisiert.

Im Zuge der ersten Bauphase wurde im Süden der Red Bull Arena, hinter dem historischen Glockenturm, der Wall des ehemaligen Zentralstadions eingeschnitten und eine neue Zuwegung in die Arena geschaffen. Hier wurde ein Gebäude als Anbau an den bisherigen Stadionbaukörper errichtet, in welchem neue Toiletten und Catering-Kioske untergebracht sind. Weiterhin entstanden ein neuer etwa 120 Quadratmeter großer Fanshop und eine Flockstation. Neben der Modernisierung aller Bestandskioske und Vergrößerung der Hospitality-Flächen wurden großzügige Stehplatzbereiche für Heim- und Gästefans geschaffen. Nach Abschluss der Aus- und Umbaumaßnahmen mit Kosten von ca. 60 Millionen Euro bietet die Red Bull Arena seit August 2021 mehr als 47.000 Besuchern Platz.

Tribünen mit Fans und Blick auf das Spielfeld(Bild: Signify / Red Bull)

Über die drei neuen Einlässe Festwiese, Stadionvorplatz und Rosengarten ins Stadion geführt, soll dem Besucher bereits vor Anpfiff ein spektakuläres Entertainment aus Architektur und Licht geboten werden. Bei Beginn der Dämmerung zeigen großformatige LED-Screens am Tordurchgang des Dammeinschnittes farbenreiche Videos zur Einstimmung der Fans.

Von der Südseite kommend, nach Passieren des in warmweißem Licht beleuchteten historischen Glockenturms, erschließt sich dem Besucher mit eindrücklicher Fernwirkung das bauchige Volumen der Arena. Vertikal angeordnete, diffuse Lichtlinien rhythmisieren die geschlossenen Flächen der Südfassade im Achsabstand von zwei Metern. Die linearen Aufbauleuchten mit einer Breite von 35 mm und einer Modullänge von 300 mm bzw. 1.200 mm sind zu Lichtlinien bis zu 10,80 m zusammengefügt und untermalen in ihrer horizontalen Wiederholung die Rundung des Baus in der Vereinsfarbe des RB Leipzig. Optional können die RGBW-Linien farbdynamisch programmiert werden und die Dramaturgie des Sportevents im Inneren nach außen transportieren.

Die Architektur des Stadions wird in erster Linie durch das geschwungene Dach geprägt, dessen Stahlkonstruktion mit einer Höhe von 17 m die Tribünen stützenfrei überspannt. Die Fernwirkung dieses Gebäudeteils berücksichtigend, nutzen die Planer von Licht Kunst Licht das Dach als hauptsächlichen Lichtträger. Unterschiedliche Bauteile des Daches, wie der umlaufende Ring an der äußeren Dachkante und die gesamte Dachunterseite oberhalb der Besucherränge, wurden zur Anstrahlung genutzt und ergänzen sich zu einem imposanten Zusammenspiel aus wirkungsvoll beleuchteten Flächen.

Leeres Spielfeld mit leeren Tribünen im Vordergrund(Bild: Signify / Red Bull)

Unauffällig montierte LED-Aufbaustrahler zeichnen die geschwungene Dachkante in Richtung der Hauptperspektiven mit homogen flächigem Licht nach. RGBW-farbveränderlich kann der „Ring“ als dynamische Komponente in der Gebäudeansicht genutzt werden und ergänzt so, beispielsweise mit einem pulsierenden Licht, die prägnante Fernwirkung der statisch rot illuminierten Dachunterseite.

Die sattrote, homogene Unterleuchtung des viergeteilten Daches, welches aus gegenüberliegenden Tribünendächern und zwei Kurvendächern besteht, wurde mittels leistungsstarker LED-Flächenstrahler in monochromem Rot umgesetzt. Die Leuchten zu je 300 W sind in Dreiergruppen wartungsfreundlich in zwei Montagelinien innerhalb der Stahltrapezkonstruktion montiert und mit unterschiedlichen Linsen versehen, um eine gleichmäßige und blendfreie Erscheinung zu gewährleisten. Durch die Reflektion des Lichtes an der Metalldecke werden die Besucherränge und Tribünen indirekt in tiefes Rot getaucht und das Stadion so atmosphärisch aufgeladen. Über vorprogrammierte Szenen lassen sich zudem dynamische Effekte, wie z. B. ein Lauflicht, abspielen, welche trotz der weißen Spielfeldbeleuchtung erlebbar sind.

Zwei seilunterspannte Bogenbinder, die als großformatige Flügel anmuten, schließen das Gebäude in Längsrichtung nach oben hin ab und tragen maßgeblich zur Fernwirkung bei. Auf beiden Flügeln mittig platziert prangt das Logo mit den Roten Bullen auf einem Banner. Bei Einbruch der Dämmerung werden die geneigten Bogenbinder durch jeweils 50 bodenmontierte RGWB-Strahler mit je 23 W wirksam inszeniert. Eigens für das Projekt entwickelte Linearlinsen spreizen das Licht so auf, dass der Bogen homogen angestrahlt wird.

Außenansicht Red Bull Arena(Bild: Signify / Red Bull)

Insgesamt wurden in der Arena 130 LED-Flächenstrahler zur Dachunterleuchtung sowie 135 Leuchten für die Beleuchtung des Ringes an der Dachkante verbaut.

Projektdaten

Bauherr: Red Bull Arena Besitzgesellschaft mbH
Nutzer: RasenBallsport Leipzig GmbH
Architekt / General- und Objektplanung: Albert Wimmer ZT-GmbH, Wien
Lichtplanung: Licht Kunst Licht AG, Bonn / Berlin / Barcelona
Projektleitung: Nils von Leesen
Projektteam: Konstantin Klaas, Jaehoon Choi,
Anna Thorup, Stephan Thiele
Fertigstellung: 2021
Fotos: Signify / Red Bull

Hersteller- und Leuchtentypen

Fassade

Diffuse LED-Lichtlinien
Hersteller: Philips
Produkt: Color kinetics,
Typ: Vaya Tube, 300 mm/1.200 mm RGB, ca. 12 W/m

Äußerer Ring Dachkante

LED-Flächenstrahler
Hersteller: Philips
Produkt: Color kinetics,
Typ: eColor Blast Powercore gen4, red/RGBW, 50 W

Dachunterleuchtung

LED-Strahler
Hersteller: Philips
Produkt: Color kinetics,
Typ: ReachElite eColor 300 Powercore, red, 300 W

Beleuchtung „Flügel“

LED-Strahler
Hersteller: Philips
Produkt: Color kinetics,
Typ: eColor Burst Powercore gen2, red/RGBW, 23 W

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