Neue Studie von The Changency und BDKV zeigt enormes Potenzial für ÖPNV-Kombitickets
von Redaktion,
Bis zu 90 % der Veranstaltungs-Emissionen entstehen durch die Anreise des Publikums. Hier liegt einer der größten Hebel für eine nachhaltige Veranstaltungsbranche, das Kombiticket kann dabei unterstützen. Wie viel Potenzial hier bislang ungenutzt brach liegt, macht nun die neue Machbarkeitsstudie „Kombiticket ohne Limit“ deutlich.
Das Team hinter dem Runden Tisch und der Studie rund um das Kombiticket (Bild: Nadine Kunath)
Umgesetzt wurde die Untersuchung von der Nachhaltigkeitsagentur The Changency in Kooperation mit dem Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV e.V.), wissenschaftlich begleitet vom Wuppertal Institut und von der Initiative Musik gefördert. Leitstern des Projekts war die Vision, jedes Veranstaltungsticket für 24 Stunden bundesweit als Deutschlandticket nutzbar zu machen.
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Die Machbarkeitsstudie bindet erstmals alle relevanten Stakeholder ein, darunter die Verkehrsbranche, Besucher*innen und Veranstalter*innen, die für 35 Millionen Ticketverkäufe pro Jahr stehen. Die Ergebnisse zeigen ein riesiges, ungenutztes Potenzial.
Bislang sind schätzungsweise nur 5,5 % bis 12 % aller Veranstaltungtickets in Deutschland Kombitickets. Hauptgründe sind zu hohe Preise sowie komplizierte, separate Verhandlungen mit den regionalen Verkehrsverbünden. Zudem mangelt es oft an guter Kommunikation, denn ein Großteil des Publikums weiß oft nicht, dass ihre Eintrittskarte bereits als Fahrschein gilt. Dabei ist zwei Drittel der Besucher:innen das Angebot eines Kombitickets wichtig.
Rosa Hoelger, Projektmanagerin The Changency GmbH dazu: „Das Kombiticket ist hocheffektiv: Bis zu 24 % der ÖPNV-Nutzer:innen steigen erst dadurch auf Bahn und Bus um. Um das wirtschaftliche und ökologische Potenzial auszuschöpfen, brauchen wir bundesweit standardisierte Prozesse. Das verschlankt den Aufwand radikal, spart dem Nahverkehr Geld und öffnet Türen für kleinere Veranstaltungen.”
Die im Rahmen der Machbarkeitsstudie intensiv diskutierte Vision eines bundesweit gültigen “Kombitickets ohne Limit”, das Veranstaltungstickets am Tag des Events zu Deutschlandtickets werden lässt, stößt bei Veranstalter:innen (85 %) und Besucher:innen (83 % und 63 %) auf große Zustimmung. Dennoch deckt die Studie auch ungelöste strukturelle Zielkonflikte auf: Die enorme Leistung eines deutschlandweiten 24-Stunden-Fahrscheins steht im direkten Widerspruch zu dem angestrebten Preismodell. Als Teil der Studie hat The Changency daher einen Alternativ-Vorschlag entwickelt, um aufzuzeigen, wie das aktuell ungenutzte Potenzial von Kombitickets dennoch ausgeschöpft werden kann.
Auszug der Kernerkenntnisse im Überblick
Nachhaltigkeit ist das Top-Motiv: Für 95 % der Veranstalter:innen ist der Klimaschutz der stärkste Grund für die Einführung eines Kombitickets.
Hohes Interesse, geringe Umsetzung: 37 % der Veranstalter:innen verzichten auf Kombitickets, obwohl sie daran interessiert sind, daher sind nur 5,5 % bis 12 % aller Veranstaltungstickets in Deutschland aktuell auch Kombitickets
Das Publikum wünscht sich ein Kombiticket: Rund zwei Drittel der Gäste bewerten das integrierte Fahrticket als wichtig.
Wirtschaftlicher Nutzen für den Nahverkehr: Der Absatz von Kombitickets könnte bis zu 18x so hoch sein, wie er aktuell ist.
Der Preisfaktor: Zwei Drittel der Veranstalter:innen zahlen eine Pauschale zwischen 0,50 Euro und 2,00 Euro pro Ticket an die Verkehrsbetriebe. Zu hohe Preise gelten für 67 % als das größte Hemmnis für eine Umsetzung.
Fazit
Die Studie fordert ein Umdenken und eine flächendeckende Standardisierung, um Ressourcen zu schonen und das ungenutzte Potenzial zu aktivieren. Unabdingbar dafür ist es, die enorme Reichweite der Branche dafür zu nutzen: Mit fast 540 Millionen Besucher:innen jährlich, davon allein 100 Millionen im Livemusik-Sektor, besitzt der Veranstaltungsbereich eine enorme Hebelwirkung, um die gesteckten Klimaziele gemeinsam zu erreichen.