Der Preis entscheidet

Umfrage liefert Tipps für Veranstalter von Online-Konferenzen

Aufgrund von Corona werden derzeit Konferenzen verstärkt digital durchgeführt. Eine Veränderung, die nicht nur technisch herausfordernd ist, sondern auch hinsichtlich der Nachfrage. Aufschluss darüber, was Teilnehmer bereit zu zahlen sind und wie sie sich auch online begeistern lassen, gibt eine aktuelle Umfrage von Felix Beilharz, Redner und Berater für Online- und Social Media Marketing. Zusätzlich zu den Ergebnissen, leitet er auch hilfreiche Tipps für Veranstalter ab – beides wird nachfolgend vorgestellt. 

Video-Konferenz(Bild: Alexandra_Koch - Pixabay)

An der Befragung nahmen im Mai und Juni 2020 insgesamt 319 Personen teil. Davon haben 94,5% in den letzten drei Jahren Offline-Konferenzen besucht sowie 84% mindestens eine Online-Konferenz.

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Zahlungsbereitschaft für Online- und Offline-Konferenzen

So gut wie jeden Veranstalter bewegen die Fragen: Was dürfen Tickets für digitale Events kosten? Müssen sie günstiger sein als für Offline-Events? Und wenn ja, wieviel günstiger?

  • 52% der Befragten sind bereit, für eine eintägige Offline-Konferenz mehr als 300 Euro zu investieren. 17% sogar mehr als 500 Euro. Am stärksten etabliert ist die Preisspanne zwischen 401 und 500 Euro – 21% wären bereit, einen Ticketpreis in diesem Bereich zu bezahlen.
  • Für Online-Konferenzen ist die Zahlungsbereitschaft deutlich geringer. Nur noch 5% würden mehr als 300 Euro ausgeben, nur 3% mehr als 500 Euro. Ganze 59% der Teilnehmer erwarten Ticketpreise von unter 100 Euro, jeder vierte möchte sogar weniger als 50 Euro investieren.
  • 90% möchten für reine Online-Konferenzen weniger bezahlen als für Offline-Konferenzen, nur 10% gleichviel. Ein einziger Teilnehmer war bereit, für online mehr zu bezahlen als für offline (wurde hier nicht berücksichtigt).
  • Die Preisbereitschaft unterscheidet sich dabei deutlich. 65% der Befragten möchten weniger als die Hälfte für ein Online-Event bezahlen als für ein Offline-Event. Bei mehr als jedem Dritten (35%) ist die Zahlungsbereitschaft sogar 71-100% geringer.
  • Im (arithmetischen) Mittelwert sehen Teilnehmer 362 Euro für eine eintägige Offline-Konferenz als angemessen an, für Online nur 150 Euro (der Median lag online bei nur 100 Euro).
  • Damit möchten Menschen für eine Online-Konferenz im Durchschnitt nur 41% von dem ausgeben, was sie für einen Offline-Tag investieren würden.

Einstellungen zu Online-Konferenzen

  • Bei der Abfrage der Haltung der Teilnehmer zu Online-Konferenzen fällt auf: Ein großer Teil der Befragten (41%) stimmt der Aussage, dass Online-Events ein guter Ersatz für Offline-Konferenzen sind, eher oder vollständig zu; 27% sind in dieser Hinsicht eher neutral; 31% lehnen die Aussage eher oder komplett ab.

Werbung in Online-Vorträgen?

Auf den meisten Konferenzen, auf denen Felix Beilharz selbst als Speaker auftritt, sei Werbung ein absolutes No-Go. Quasi alle einschlägigen Konferenzen würden ausdrücklich Pitches und Werbung in den Vorträgen verbieten. Auch als Fachbeiratsmitglied der OMX Konferenz vertritt Beilharz diese Haltung. Die Teilnehmer seien dafür immer sehr dankbar. Bei Online-Konferenzen fällt das Urteil über Werbung offensichtlich weniger streng aus:

  • Zwei Drittel (67%) gaben in der Umfrage an, werblichen Inhalt in Online-Vorträgen überwiegend oder komplett in Ordnung zu finden, wenn der Vortrag ansonsten nützlichen Inhalt liefert. Nur 6% lehnen das entschieden ab.

Wäre es dann nicht eine Option, Online-Konferenzen komplett kostenlos anzubieten und über Werbung in den Vorträgen bzw. verkaufte Slots zu finanzieren? Oder schaden kostenlose Tickets der wahrgenommenen Seriösität des Events?

  • 44% der Umfrageteilnehmer lehnen die Idee, dass kostenlose Events weniger seriös sind, komplett oder überwiegend ab. Nur 13% stimmen dem absolut zu; 23% tendieren eher zu dieser Sichtweise. Die Sichtweise scheint diesbezüglich also stark auseinander zu gehen, wobei offenbar weder ein kostenloses Event noch Pitches in Vorträgen ein absolutes No-Go sind.

Haben die Menschen überhaupt Lust auf Online-Konferenzen?

  • Die gute Nachricht: Ja, sie haben. 60% würden in Zukunft gerne regelmäßig Online-Konferenzen besuchen; 25% sind eher indifferent und nur 16% lehnen den Gedanken überwiegend oder vollständig ab.

Was fehlt den Teilnehmern online?

Eine wichtige Information ist, was Teilnehmer bei Online-Events vermissen. Dieser Punkt wurde offen abgefragt und die Antworten dann geclustert. Da Mehrfach-Antworten möglich waren, ergibt die Summe mehr als 100%.

  • Am stärksten fehlt den Teilnehmern die menschliche Seite: 60% beklagen fehlenden persönlichen Austausch und Kontakt, 50% vermissen das Netzwerken. Hier sind Veranstalter von Online-Events dringend angehalten, Möglichkeiten für Austausch und Networking zu schaffen.
  • Auch die Atmosphäre, der Spaß, das „Feeling“ fehlt vielen Teilnehmern (16%). Viele beklagen auch eine höhere Ablenkung und eine schlechtere Konzentration oder weniger Fokus bei Online-Konferenzen (15%). Hier haben manche Teilnehmer noch etwas spezifiziert: sie lassen sich von Anrufen ablenken, checken nebenbei E-Mails, haben Kinder, Partner oder Haustiere um sich etc..
  • Einfach mal „rauskommen“ und reisen möchten 10%. Auch der Kontakt zu den Vortragenden war jedem zehnten wichtig – auch hier besteht ein Anknüpfungspunkt für Veranstalter.

Was schätzen Teilnehmer an Online-Konferenzen?

  • Online ist aber natürlich nicht „alles schlecht“. Digitale Formate bieten auch eine Reihe von Vorzügen. Die Zeitersparnis (72%) und die Kosten (35%) stehen dabei für viele Befragte im Vordergrund. Aber auch die stärkere Flexibilität (31%) schätzen viele. Besonders wichtig für Veranstalter: Aufzeichnungen der Vorträge sind für 19% ein wichtiges Argument pro Online-Konferenz.

Die Kernergebnisse im Schnelldurchlauf

  • Online-Konferenzen müssen deutlich günstiger sein als Offline-Events. Im Schnitt möchten die Teilnehmer nur 41% von dem ausgeben, was sie für Offline-Konferenzen bezahlen; ein großer Teil sogar weniger als 100 Euro. Mehr als 150 Euro sollte ein Ticket nicht kosten.
  • Online-Konferenzen sind relativ beliebt. Die Mehrheit hält sie für einen guten oder sehr guten Ersatz für Offline-Events oder ist in dieser Frage eher unschlüssig. Nur 8% lehnen Online-Konferenzen als Ersatz entschieden ab.
  • Ein Großteil der Befragten (60%) hat Lust, in Zukunft regelmäßig Online-Konferenzen zu besuchen.
  • Kostenlose Online-Konferenzen werden nicht per se als unseriöser angesehen.
  • Werbliche Inhalte in Online-Vorträgen sind generell akzeptiert (67%), wenn der Inhalt des Vortrags ansonsten nutzbringend ist. Veranstalter können online also durchaus von einer No-Pitch-Policy abweichen.
  • Was bei Online-Konferenzen fehlt, sind vor allem die persönliche Begegnung und das Netzwerken. Veranstalter sollten dies so gut wie möglich sicherstellen (z. B. durch Breakout-Rooms, Networking-Tools etc.).
  • Vielen Teilnehmern fehlt die Konferenz-Atmosphäre und das „Feeling“. Hier müssen Lösungen geschaffen werden, eine Konferenz-Stimmung aufkommen zu lassen, auch wenn die persönliche Begegnung nicht möglich  ist.
  • Der Kontakt zu Vortragenden ist ebenfalls vielen Teilnehmern wichtig (10%). Hier sollten Veranstalter ebenfalls Möglichkeiten bieten, z. B. durch Breakout Sessions mit den Speakern nach den Vorträgen.
  • Für Online-Konferenzen sprechen vor allem Zeit- und Kostenersparnisse (72% und 35%) sowie eine höhere Flexibilität (31%).
  • Für 19% sind Aufzeichnungen der Vorträge wichtig – ein klarer Hinweis an die Veranstalter.

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