Professoren aus Nagoya und Berlin ermitteln die Auswirkungen der Mikrofonposition auf den Klang

DPA-Mikrofon(Bild: DPA)

DPA-Mikrofone tragen dank Klarheit und Neutralität zum Erfolg eines einzigartigen wissenschaftlichen Aufnahmeprojekts bei

Tontechniker wissen, dass jedes Musikinstrument ein bestimmtes Abstrahlungsmuster aufweist. Der aufgenommene Klang hängt daher von der Position des Mikrofons zum Instrument ab.

Bei der Untersuchung dieses Phänomens hat sich eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Kazuya Nagae, außerordentlicher Professor im Bereich Tonaufnahme am Soundmedia Composition Course der Nagoya University of the Arts, und dem Tonmeister und Professor an der Universität der Künste Berlin (UdK) Thorsten Weigelt ergeben. Auf der Grundlage von Jürgen Meyers renommiertem Buch Akustik und musikalische Aufführungspraxiserstellte das Forscherteam mit einer Auswahl an DPA-Mikrofonen Klangaufnahmen der wichtigsten Instrumente eines Orchesters. So konnten sie feststellen, welche Auswirkungen die Mikrofonpositionierung auf den aufgenommenen Klang hat.

„Das Ergebnis von Aufnahmen wird von so vielen Faktoren beeinflusst: von der Musik selber, von den Musikern, den Instrumenten, dem Aufnahmeort und der Positionierung der Mikrofone“, erläutert Kazuya. „Als ich feststellte, dass keine Klangmaterialien als Studienobjekte verfügbar waren, schlug ich Thorsten vor, Aufnahmen zu erstellen. Mit diesen können dann alle, die im Bereich Aufnahmetechnik arbeiten und forschen, Vergleiche anstellen. Wir hoffen, dass unsere Beispiele das wichtige Standardwerk von Jürgen Meyer ergänzen, sodass wir die Unterschiede nicht nur sehen, sondern auch hören können. Außerdem werden Tontechniker bei der Wahl der ‚besten‘ oder geeignetsten Mikrofonpositionierung in einer bestimmten Aufnahmesituation unterstützt.“

Nagae und Weigelt nahmen ihre Klangbeispiele in der Konzerthalle der UdK auf, die eine Nachhallzeit von 1,5 Sekunden hat. Die ausgewählten Instrumente umfassen Violine, Viola, Cello, Kontrabass, Querflöte, Piccoloflöte, Oboe, Englischhorn, Klarinette (B-Klarinette, A-Klarinette und Bassklarinette), Fagott, Horn, Trompete, Posaune, Tuba (B-Tuba, F-Tuba), kleine Trommel (mit und ohne Snare-Teppich), Basstrommel und Pauke. Die Instrumente wurden simultan mit 14 AB-Stereomikrofonpaaren aufgenommen, die man in unterschiedlichen horizontalen und vertikalen Winkeln platzierte.

„Wir wollten Beispiele in einer realistischen Umgebung und Situation aufnehmen und entschieden uns daher für Stereoaufnahmen in einer Konzerthalle. Wir sind der Meinung, dass Stereoklang für die Wahrnehmung der Klangfarbe aufgenommener Instrumente wichtig ist“, erklärt Thorsten Weigelt. „Auf Grundlage eines Standard-Setups passten wir die Geometrie des Systems für die einzelnen Instrumente an, um somit die interessantesten Aufnahmepunkte zu erhalten. Außerdem wurde die Distanz zum Instrument für jede Aufnahme einzeln festgelegt, jedoch mit demselben Abstand für jedes Mikrofonpaar (z. B. Violine 248 cm, Horn 226 cm, Pauke 265 cm). Wo möglich, nahmen wir den Musiker in stehender und sitzender Position auf und passten die Höhe der gesamten Mikrofonausrüstung entsprechend an. Bei jedem Instrument nahmen wir mehrere orchestrale Stücke mit verschiedenen Stilen und Merkmalen sowie ein kurzes Solostück und Tonleitern auf.“

Insgesamt 26 d:dicate™4006A Mikrofone wurden für die Aufnahme verwendet. Grund für die Auswahl waren die neutrale Charakteristik sowie die hervorragenden akustischen Eigenschaften der Mikrofone. Außerdem wurde jeweils ein Paar PZM-Mikrofone vor den Musikern aufgestellt.

„Wir entschieden uns für ein AB-Mikrofon-Setup, das bei klassischer Musik häufig als Haupt-Mikrofon-Setup verwendet wird und daher realitätsnah ist“, so Nagae. „Das beliebteste Mikrofonmuster für diese Art von Arbeit zeichnet sich durch eine Kugelcharakteristik aus. Dies ist frei von einem Nahbesprechungseffekt und erzeugt bei niedrigen Frequenzen einen flachen Frequenzgang. Wir haben die Aufnahmen zwar in einer Konzerthalle gemacht und hielten einen bestimmten Abstand zu den Instrumenten ein. Dennoch wollten wir einen flachen Frequenzgang für den aufgenommenen direkten Klang sicherstellen, indem wir Freifeld-entzerrte Kapseln verwendeten. Das d:dicate 4006A ist für seine sehr flache 0°-Frequenzantwort bekannt, wenn das silberfarbene standardmäßige Freifeld-Grid verwendet wird. Für ein Projekt wie dieses war es von größter Bedeutung, sehr neutrale Mikrofone zu verwenden, die die Klangfarbe nicht beeinflussen und sich im Bereich Signal-Rausch-Verhältnis, Dynamikbereich und Grenzschalldruckpegel (maximaler SPL) durch höchste Qualität auszeichnen. DPA erfüllte diese Anforderungen perfekt. Ein weiterer wichtiger Aspekt war die Verwendung desselben Mikrofontyps im gesamten Projekt. Anderenfalls hätte man unmöglich feststellen können, ob die gehörten Unterschiede auf die Mikrofonposition oder die Mikrofoneigenschaften zurückzuführen sind.“

Nagae und Weigelt freuen sich über die Unterstützung durch DPA und den japanischen Vertriebspartner Hibino, die gemeinsam den vorhandenen Bestand an DPA-Mikrofonen der UdK ergänzten, um sicherzustellen, dass die Aufnahmearbeiten durchgeführt werden konnten. Das Projekt wurde auch durch andere Unternehmen und Institutionen wie RME, Audio AG, Synthax Japan Inc, der Kawai Foundation for Sound Technology & Music und der Nagoya University of the Arts unterstützt. Die Berliner Universität der Künste stellte neben Konzerthalle und Kontrollraum außerdem Musiker und Studierende des Tonmeister-Studiengangs zur Verfügung.

„Wer diese Aufnahmen hört, sollte bedenken, dass diese einerseits Allgemeingültigkeit besitzen, doch sich andererseits durch die spezielle Aufnahmesituation in der Konzerthalle der UdK, die verwendeten Instrumente und die Musiker auszeichnen“, fügt Weigelt hinzu. „Ein aufmerksamer Zuhörer wird daraus gute Hinweise erhalten, muss jedoch die eigene Aufnahmesituation analysieren. Der Zuhörer wird außerdem je nach Position der frequenzabhängigen Mikrofonpaare deutlich unterschiedliche Verhältnisse von Direktschall zu Nachhall erkennen. Ursache hierfür sind die frequenzabhängigen Richtwirkungsfaktoren der Instrumente. Interessantere Winkel wären vorstellbar, aber nicht praktikabel gewesen. Außerdem sollte bedacht werden, dass sich der aufgenommene Klang bei Instrumenten mit komplexeren Abstrahlmustern abhängig von der Distanz zwischen Mikrofon und Instrument in mehr Aspekten als nur dem Verhältnis von Direktschall zu Nachhall verändert. Dies wird von Jürgen Meyer klar aufgezeigt und wäre ein weiteres interessantes Projekt – wenn wir 100 Mikrofone desselben Typs auftreiben könnten!“

Nagae und Weigelt haben die Bearbeitung nun abgeschlossen und die Ergebnisse ihrer Experimente online zur Verfügung gestellt, sodass jeder davon profitieren kann. Unter http://soundmedia.jp/nuaudk/können die Beispiele angehört und das Projekt erkundet werden.

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